Nüstern und Lüstern

Erst die technische Aufnahmeapparatur der Fotografie, des Films und des Videos hat es ermöglicht, Körperorgane zu vereinzeln, zu isolieren und damit zu vergrößern. Die klassische Malerei hat nie das close up eines Körperorgans gemalt. Die Medien erlauben ein anderes Körperbild: Körperfragmente in Großaufnahme. Diese Arbeiten sind Ergebnis meiner Untersuchungen zur Theorie der Partialobjekte als Objekte der Begierde. In der klassischen Psychoanalyse und Kulturtheorie werden die genitale Reife und der Phallozentrismus betont. In der Kulturpraxis, vor allem in den Massenmedien, beobachten wir das Gegenteil, nämlich eine visuelle Favorisierung von Partialobjekten wie Augen, Mund, Busen, Füßen etc. Die Massenmedien sind Partisanen der Partialtriebe geworden, Exploiteure erogener Zonen im Dienste der Konsumindustrie. Exhibitionismus, Voyeurismus, Masochismus sind das Koordinatensystem der Mode und der Medien. Mediale Körperbilder offerieren neue Bilder des Körpers. Ein Film über die Wirkungen der Fotografie mit dem bezeichnenden Titel Blow-Up (Michelangelo Antonioni, 1966) hat diese eindrucksvoll demonstriert. (Peter Weibel)

Orig. Titel
Nüstern und Lüstern
Jahr
1969
Land
Österreich
Länge
0 min 33 sek
Regie
Peter Weibel
Kategorie
Avantgarde/Kunst
Orig. Sprache
stumm
Credits
Regie
Peter Weibel
Konzept & Realisation
Peter Weibel
Verfügbare Formate
Digital File (prores, h264) (Distributionskopie)
Tonformat
Stumm
Farbformat
s/w