Pilije

Das Wetter ist gut, die Lichtstimmung sanft, zwei Buben stehen im Park und betrachten durch ein aufgestelltes Diagerät Fotos, auf denen Aspekte des für die Gegend so charakteristischen Handwerks zu sehen sind. Auf der Tonebene erklingt ein deutschsprachiges Kärntnerlied, klassischerweise interpretiert von einem Männerchor, der alsbald die Leinwand füllt. Die Herren in Pleamlemusterwesten besingen das Rosental, in dem die Stadt Ferlach/Borovlje liegt, berühmt für die Büchsenmacherei – ein Ende der Welt, an dem es hallt und knallt.

Ruhig sind die Aufnahmen, mit denen Samira Fux die Gegend absteckt, oftmals geradezu idyllisch. Die Interviewpartner*innen aus dem Metier geben wertschätzend und liebevoll Auskunft über ihre Profession, manche romantisierend, manche traurig bis froh. Sie sprechen über ihre Familiengeschichten, über die Auswirkungen der Globalisierung aufs Geschäft, über die Zeit des Nationalsozialismus, über den Widerstandskampf der Partisan*innen. Wie tradiert die politische Komplexität einer zweisprachigen Identität in Kärnten/Koroška ist, schwingt den ganzen Film über mit. Gleichzeitig wird durch die Interviews in PILIJE – und die sehr feinfühlige Montage von Maria-Lisa Pichler – auch offensichtlich, wie selbstverständlich diese Zweisprachigkeit immer noch sein kann, wenn sie gewollt und zugelassen wird.

Als Voice-over ist die Regisseurin Teil der Geschichte, sie ist präsent. Ihr Kommentar setzt die einzelnen Schilderungen in ein größeres Bild.

Die einfühlsame Offenlegung lang gepflegter Ambivalenzen zeichnet PILIJE (übersetzt: die Büchsenmacher) aus. Die Filmemacherin urteilt nicht, sie schaut und hört genau hin und durch die fein gearbeitete Kontextualisierung in sich differenter oder miteinander divergierender Positionen eröffnet sich die ganze Komplexität von Koroška/Kärnten als Grenzgebiet. Kein noch so hochgradig spezialisierter und international anerkannter Mikrokosmos wie die Ferlacher Büchsenmacherei vermag es, dieser etwas entgegenzusetzen. „Man lebt ja von der Einbildung auch“, sagt einer der Büchsenmacher. Analytisch voll ins Schwarze getroffen. (Melanie Letschnig)

Orig. Titel
Pilije
Jahr
2025
Land
Österreich
Länge
77 min
Regie
Samira Fux
Kategorie
Dokumentarfilm
Orig. Sprache
Deutsch, Slowenisch
Untertitel
Englisch, Deutsch
Credits
Regie
Samira Fux
Kamera
Gabriel Monthaler, Samira Fux, Lennart Hüper
Schnitt
Maria Lisa Pichler
Ton
Frederic Stritter
Mit Unterstützung von
Bundesministerium für Kunst, Kultur, öffentlicher Dienst und Sport / Federal Ministry for Arts, Culture, the Civil Service and Sport, Wien Kultur MA 7, Land Kärnten, Akademie der Bildenden Künste Wien
Originalton
Lukas Ellmer, Francesco Tacoli
Farben
Caroline Bobek
Verfügbare Formate
DCP 2K (Distributionskopie)
Bildformat
1:1,85
Tonformat
5.1 surround
Farbformat
Farbe, s/w