Rekonstruction of Stoppages-Étalon (1913/14) by Marcel Duchamp
Marcel Duchamp hat 1913/14 drei Mal einen Faden von 1 m Länge aus einer Höhe von 1 m auf den Boden fallen lassen. Duchamps Idee war also, das Richtmaß als feststehendes Maß zu sistieren und zu relativieren bzw. zu zeigen, dass es kein finales Maß aller Dinge gibt. Wennd er Maß-Stab zum Maß-Faden wird, die Vermessung nicht durch einen starren Stab, sondern einen weichen Faden erfolgt, dann gibt es verschiedene Richtmaße von verschiedener Länge und verschiedener Krümmung. Die Einbeziehung des Subjekts, des Körpers des Vermessers, hat die normative Kraft der Maßstäblichkeit außer Kraft gesetzt. Durch den Körpereinsatz, der den Beobachterstandpunkt symbolisiert, wird die Maßstäblichkeit insgesamt infrage gestellt. Das Universum ist beobachterrelativ und damit auch maßstabsrelativ. Der Mensch als Maß aller Dinge kann keine objektive Aussage über das Universum treffen. Diese Verdeutlichung und Verurteilung des Anthropozentrismus, ein wesentliches Merkmal von Duchamps Kunstkonzept, dieses Votum für ein beobachterrelatives, partizipatorisches Universum, gerade auf dem Feld der Vermessung der Welt selbst ausgeführt, habe ich aus Sympathie und Empathie rekonstruiert und damit das Genre des Reenactments eingeleitet.
Rekonstruction of Stoppages-Étalon (1913/14) by Marcel Duchamp
1970 - 1971
Österreich
1 min