>1,5°C Pyropolitics and the New World

Im Zeitalter des Feuers

Lukas Marxt findet in seinem Film >1,5°C Pyropolitics and the New World eindrückliche Bilder für die verheerende Brandkatastrophe von Los Angeles im Januar 2025. Sein Film wirft Fragen nach dem Umgang mit den Folgen des Klimawandels und der Erderwärmung auf.

Der Film startet mit einem Zitat des Philosophen Michael Marder, der angesichts des Klimawandels dazu auffordert, die Bedeutung von Feuer als gesellschaftsgestaltender Macht anzuerkennen. Es folgen Aufnahmen des rotglühenden Nachthimmels über Los Angeles, der die schwarze Silhouette einer Hügelkette überwölbt. Das in Rot- und Schwarztöne getauchte Geschehen wirkt für einen Moment wie ein abstraktes Gemälde, bis Hubschrauber die Szene queren und sich die unerbittliche Choreografie des Großbrandes ausbreitet: Weißgelb auflodernde Flammen, undurchdringliche Rauchschwaden, wiederkehrende Sirenen, das Knattern der Löschhubschrauber, signalrote Feuerwehrautos und blinkende Warnlichter. Dazwischen sind immer wieder Feuerwehrleute zu sehen, die sich mit Stirnlampen und Zurufen einen Weg durch die gefährliche Dunkelheit bahnen.

Der Sound des Feuers ist allgegenwärtig: Das nervöse Knistern der Flammen, das anfänglich Marders Text begleitet, steigert sich allmählich zu einer Kakophonie der Löschgeräusche. In einzelnen Sequenzen tritt der Lärm zurück, um etwa dem prägnanten Schnarren der Kettensägen oder auch dem Plätschern des Löschwassers Raum zu geben. Die Tonspur endet mit einem Knistern der Flammen, so als würde das Feuer über den Film hinaus weiterbrennen.

Inmitten des Flammeninfernos taucht unvermittelt die Ansicht eines unversehrten, weißlich grell leuchtenden Wohnhauses auf, das mit seinem künstlichen Eiszapfendekor und der im Wind schwingenden US-Flagge wie ein Fremdkörper wirkt. Der Kontrast lässt das Haus als Inbegriff eines Systems erscheinen, das die zunehmende Erderwärmung ignoriert. Die Dreharbeiten in Los Angeles haben, wie Lukas Marxt sagt, seinen Blick für die politischen Dimensionen von Katastrophen geschärft. Er versteht den Film nicht nur als Chronik einer Katastrophe, sondern als kritische Reflexion über die fehlende Bereitschaft des Westens, seine Art des Wirtschaftens zu ändern.

Von den Zerstörungen des Feuers wechselt die Kamera zur Betriebsamkeit der Notunterkünfte, in denen sich Wasservorräte, Lebensmittel und Kleiderspenden stapeln. Die improvisierte Ordnung der Unterkünfte kann kaum über die Zerstörung und katastrophalen Folgen für die betroffenen Menschen und Tiere hinwegtäuschen.

Nach den Hilfsarchitekturen kehrt die Kamera zu brennenden nächtlichen Straßenzügen zurück, bis sich Brandruinen und verkohlte Vegetation im diesigen Morgenlicht ausbreiten. Lukas Marxt, der gemeinsam mit Co-Editor Carson Davis Brown die Kamera geführt hat, fasst die zerstörte Stadtlandschaft in lange Einstellungen, die ein genaues Erkunden der Verwüstungen ermöglichen.

Der Film macht die Brandkatastrophe rezipierbar und öffnet dadurch den Blick für die Realitäten des 21. Jahrhunderts. >1,5°C Pyropolitics and the New World legt die fundamentale Ungewissheit offen, die das Zeitalter des Klimawandels – wegen seiner Brandkatastrophen auch Pyrozän genannt – kennzeichnet. Ursula Grünenwald

Orig. Titel
>1,5°C: Pyropolitics and the New World
Jahr
2026
Länder
Deutschland, Österreich
Länge
73 min
Regie
Lukas Marxt
Kategorie
Dokumentarfilm
Orig. Sprache
Englisch
Downloads
>1,5°C Pyropolitics and the New World © Lukas Marxt, still 01 (Bild)
>1,5°C Pyropolitics and the New World © Lukas Marxt, still 01
>1,5°C Pyropolitics and the New World © Lukas Marxt, still 02 (Bild)
>1,5°C Pyropolitics and the New World © Lukas Marxt, still 02
>1,5°C Pyropolitics and the New World © Lukas Marxt, still 03 (Bild)
>1,5°C Pyropolitics and the New World © Lukas Marxt, still 03
>1,5°C Pyropolitics and the New World © Lukas Marxt, still 04 (Bild)
>1,5°C Pyropolitics and the New World © Lukas Marxt, still 04
Credits
Regie
Lukas Marxt
Kamera
Lukas Marxt, Carson Davis Brown
Künstlerische Mitarbeit
Carson Davis Brown
Musik
Jung An Tagen
Montage
Lukas Marxt
Sound Design
René Peltsch
Tonmischung
Marcus Zilz
Textautor*in
Michael Marder, Vanja Smiljanić
Montage Beratung
Vanja Smiljanić
Produktion
s u n³b°u°r°s t FILM
Produzent*in
Lukas Marxt
Mit Unterstützung von
Film- und Medienstiftung NRW, Land Steiermark Cine Art, Innovative Film Austria, Kunststiftung NRW
Verfügbare Formate
DCP 4K (Distributionskopie)
Bildformat
1:1,85
Tonformat
5.1 surround
Bildfrequenz
24 fps
Farbformat
Farbe
Digital File (prores, h264) (Distributionskopie)
Festivals (Auswahl)
2026
Amsterdam - IDFA, Int. Documentary Filmfestival
Viennale - Vienna Int. Film Festival
Leipzig - Dok Leipzig - Int. Festival für Dok.- u. Animationsfilm