W O W (Kodak)

"Five...Four...Three...Two...One", skandiert ein älterer Herr ins Mikrophon. Das obligatorisch nicht laut ausgesprochene "Zero" des Countdowns ersetzt er durch eine dynamische Drehung des Oberkörpers nach hinten. Sein mitgeführter Fingerzeig provoziert einen Einstellungswechsel, der den Blick auf barockbauschige Staubwolken freigibt, die von einer schier unaufhaltsamen Kraft in das Innere des Bildes gesogen werden, aus dem sich unter Getöse ein imposantes Gebäude in seiner ganzen, unbeschädigten Pracht aufbaut. Aus unterschiedlichen Perspektiven und Entfernungen ereignet sich dieser Prozess insgesamt fünf Mal. Man fühlt sich an die legendäre Explosion zum Finale von Michelangelo Antonionis Zabriskie Point erinnert, allerdings mit einem entscheidenden Unterschied: Viktoria Schmid redemoliert. Ihr Arbeitsmaterial besteht aus Privataufnahmen von Zuschauer_innen, die der Sprengung von Gebäudeteilen des Eastman Kodak Firmenkomplexes in Rochester beiwohnten und ihre selbstgefilmten Doku-Clips auf YouTube veröffentlicht haben. Viele von ihnen haben in der Fabrik gearbeitet und sind so Zeug_innen der Zerstörung ihrer ehemaligen Arbeitsstätte. Viktoria Schmid kompiliert die Clips und spielt sie rückwärts ab. In der reversiblen Bewegung gerät die Implosion zur Festsetzung. Und so formt sich das In-Schutt-und-Asche-Legen der Gebäudeteile zu einem spektakulären Wiederaufbau, begleitet von erstaunten Zurufen des Publikums ("WOW" lautet das Palindrom des Moments!). So wird dem gloriosen Auferstehen der Fabriken des farbsensiblen Analogfilms durch digitale Mittel ein Denkmal mit Partycharakter gesetzt. (Melanie Letschnig)

Orig. Titel
W O W (Kodak)
Jahr
2018
Land
Austria
Länge
2 min
Kategorie
Experimental
Orig. Sprache
Englisch
Downloads
W O W (Kodak) (Bild)
Credits
Regie
Viktoria Schmid
Konzept & Realisation
Viktoria Schmid
Verfügbare Formate
DCP 2K
Bildformat
1:1,37 (Normal)
Tonformat
Dolby A
Bildfrequenz
24 fps
Farbformat
Farbe
35 mm
Bildformat
1:1,37 (Normal)
Tonformat
Dolby A
Bildfrequenz
24 fps
Farbformat
Farbe
Festivals (Auswahl)
2019
Belgrade - Alternative Film/Video Festival
Graz - Diagonale, Festival des österreichischen Films
Dortmund / Köln - Internationales Frauenfilmfestival
Linz - Crossing Europe Film Festival
2020
Stuttgart - Filmwinter, Expanded Media Festival