Burning Palace

A stage, marble columns, the red curtain closes: "You only have a split second of a pose to multiply your transgression." This first statement introducing the opening sequence sounds like provocative instructions. The game of five figures ensnared in erotic innuendos is more appearance than reality: the pornographic poses can be interpreted as sexual simply by the shadows they cast. In the glowing light, they are actually five protagonists warming up for a night in the "Burning Palace" Hotel.
Precise physical work with the body has seldom experienced such a condensed cinematic counterpart as it does in Mattuschka´s/Haring´s new film. In subtle tableaux vivants sweaty bodies awake from a turbulent, dream-filled night at the hotel, loll male and female bodies out of grotesque poses into a scene of border transgression: between objects and bodies, sounds and melodies, and genders arise those categorical transgressions and shifts so typical for Mattuschka. A mimetic communication takes place between the beings (are they really people?) populating this palace in an urgency of gestures entirely characteristic of the filmmaker, which is seemingly produced through the immense, yet astonishingly discrete proximity of the camera to the bodies.
The alienated soundscape of breathing, singing, and speaking provides the logical architecture for the visual development, and determines the chronology of the events, the carnivalesque of the gestures, and the materiality of the bodies with an increasing uncanniness (the palace as hotel, as heterotopia). From "Paris is Burning" to this Burning Palace: it´s just a stone´s throw.

(Andrea B. Braidt)

Translation: Lisa Rosenblatt


Mattuschka skillfully reveals how film works: At the beginning of Burning Palace the dancers´ physical performance engages in a complex interplay with the power of cinema as a technology of animation and projection. Silhouettes of tableaux vivants herald the scenes that follow, in which the fantasies of waking hotel guests are staged as grotesque poses and physical transgressions. The dark outlines of dancers warming up backstage appear on the closed stage curtain, as an illusion of unleashed erotic postures. When the shadow projections dovetail with the slow movements of real bodies, the imaginative power of filmic shots is revealed: What lies off-screen is always part of the spectator´s imagination.

(Christa Blümlinger)


All of these work deal somewhat with a fake factor. Part Time Heroes handles the star concept, in a larger than life way; Running Sushi refers to comics and manga. Burning Palace, on the other hand, is based on The Art of Seduction. (…) For the human body to remain interesting, one must constantly put it in a different light or in another context. One has to look at the body sideways. With this, one achieves a large choreographic change in perspective, because everything is altered. In another context, one also experiences the body in a new way, already because you view it differently.

(Chris Haring)


Burning Palace turned out to be a melancholy film. Here, I introduced five people who are in a show at a bar, who live in this hotel and have very different relationships with one another. After the show – they are already sleeping – they are woken by Pan for the night and therefore wake up to the destruction that is held within them. This often has a sexual origin or it´s mixed in together.

(Mara Mattuschka)

More Texts

Jurybegründung

Preis der Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen, 2009

"Dieses Jahr haben wir und für einen Film entschieden, in dem körperliche und emotionale Grenzen auf Atem beraubende, intelligente und publikumswirksame Weise gleichermaßen überschritten und neu definiert werden. Hervorheben möchten wir die konsequente filmische Umsetzung eines Bühnenstücks mit eindrucksvollen Tänzerinnen und Tänzern. Ton, Bild und Montage sind von einer sinnlichen Qualität, deren kluge Opulenz uns alle beeindruckt hat."

Jury Statement

Prize of the International Short Film Festival Oberhausen

"This year we chose a film in which physical and emotional borders are transgressed and redefined in an equally breathtaking, intelligent and spectacular manner. We would like to draw attention to the consistent cinematic adaptation of a stage play with a cast of impressive dancers. Sound, image and montage have a sensual quality whose intelligent opulence impressed us all."

Unraffiniert bis zum Exzess (Article)

Sven von Reden, In: taz.die tasgeszeitung, 25.3.2009


Der menschliche Körper ist eine Art Palast, in dem es brennt. Das Grazer Diagonale-Festival zeigte Arbeiten der Filmkünstlerin Mara Mattuschka


Maskiert, mit einer Peitsche in der Hand und zwei halbnackten Tiger-Frauen an der Leine nahm Mara Mattuschka vor vier Jahren auf der Grazer Diagonale einen Filmkunst-Preis entgegen. Ihr Auftritt als Mischung aus Zorro und Fearless Nadia sollte nicht die Auszeichnung lächerlich machen, sondern den, der sie vergab: Franz Morak, damaliger Staatssekretär für Kunst und Medien. Im Jahr zuvor hatte Morak versucht, das Festival des österreichischen Films in Staatsstreichmanier mit ihm genehmen Vasallen zu besetzen. Der Coup scheiterte am Widerstand der gesamten österreichischen Filmindustrie. Seitdem ist es ruhiger geworden um die Schau des österreichischen Films. Die letzten drei Jahre führte Birgit Flos das Festival, sie zog allerdings Kritik auf sich für eine allzu unentschiedene Auswahlpolitik. Ihre Nachfolgerin Barbara Pichler hat in ihrem ersten Festivaljahr das Programm entschlackt und ihm wieder mehr Profil verliehen.

Die diesjährige Auswahl belegte erneut, dass der österreichische Film gerade im Bereich der Filmavantgarde stark ist. Ein Höhepunkt an der Schnittstelle von Film, Performance-Art und Tanz war Mara Mattuschkas uraufgeführtes Werk „Burning Palace“, ihre vierte Zusammenarbeit mit dem Choreografen Chris Haring, die im Mai auf den Kurzfilmtagen in Oberhausen Deutschlandpremiere feiern wird.

Der Titel bezieht sich auf Eugene Delacroix’ Skandal-Gemälde „La mort de Sardanapale“, das die Ermordung der Konkubinen des letzten assyrischen Königs in seinem brennenden Palast zeigt. Die Anspielungen auf Kunstgeschichte und Mythologie im Film sind vielfältig. Wichtiger ist aber, dass Mattuschka ganz grundlegend den menschlichen Körper als eine Art Palast im Dauerbrand versteht. Schließlich ist die Grundlage des Lebens der andauernde Verbrennungsprozess von Energie. „Burning Palace“ heißt auch das Hotel, in dem die fünf Darsteller des Films logieren. Zu Beginn sieht man nur ihre Schatten. Scheinbar vergnügen sich die drei Frauen und zwei Männer bei einer Sexorgie. Aber das ist nur ein kunstvoll inszeniertes Trugspiel für den Kinozuschauer, der wie in Platons Höhle sitzend falsche Schlüsse aus den auf der Leinwand flackernden Schatten zieht.

Der Körper steht im Mittelpunkt von Mattuschkas Arbeit, das zeigte auch die Retrospektive ihres Filmschaffens, die die Premiere von „Burning Palace“ auf der Diagonale begleitete. Nicht zufällig haben ihre Filme eine Nähe zu den wichtigsten Genres des Körperkinos: dem Horror- und Pornofilm und dem Slapstick. Genau wird in den Filmen der 50-Jährigen der nackte Leib immer wieder unter die Lupe genommen, seine Öffnungen, Wölbungen, Falten. Er wird gestreckt, gedehnt, geöffnet. Sein Inneres wird nach außen gestülpt. Und oftmals fließen Körperflüssigkeiten. Diesen sezierenden Blick hat Mattuschka als bildende Künstlerin gelernt, bei der Zeichenarbeit am Modell in der Klasse ihrer Lehrerin Maria Lassnig (die gerade in Köln und Wien mit großen Ausstellungen geehrt wird). Auch wenn sie seit 1983 regelmäßig mit dem Medium Film arbeitet, sieht sich die gebürtige Bulgarin als Malerin – obwohl Mattuschka anders als Lassnig kaum Animationsfilme produziert hat.

Es liegt nahe, ihre Filme in die Tradition des Wiener Aktionismus einzureihen, sie selber sieht sie eher aus gleicher Quelle gespeist: aus dem Widerstand gegen einen „katholischen Reinlichkeitswahn“ – mit Charlotte Roche würde sich Mattuschka sicher gut verstehen. So masturbiert sie in „Es hat mich sehr gefreut“ in freier Natur vor einem gleißend hellen Bergpanorama, und in „Der Untergang der Titania“ badet sie in einer trüben Brühe, bis seltsame Monster aus dem Abflussrohr heraufsteigen.

Diese Tabubrüche sollen natürlich zur Befreiung von Tabuisierungen beitragen, zur Bewusstmachung des Unbewussten, zur Anerkennung menschlicher Triebhaftigkeit. Ohne Angst vor Peinlichkeiten und mit bisweilen brutaler Direktheit wird Verdrängtes hervorgezerrt. Ganz bewusst „unraffiniert bis zum Exzess“ seien die Bewegungen in ihren Filmen, sagt Mattuschka.

Dazu gehört Mut, zumal sie bis vor wenigen Jahren fast immer selber im Zentrum ihrer Filme stand. Allerdings unter dem Namen eines ihrer Alter Egos: Mimi Minus (bei Performances tritt Mattuschka auch als Mahatma Gobi, Madame Ping Pong oder Ramses II auf). Die stets mit schwarzer Perücke und dicker Schminke auftretende Mimi Minus weiß vorher nicht, wie der Film ausgeht, sagt Mattuschka, das hilft, ihrer Performance so etwas wie eine bewusste Unschuld zu bewahren.

Seit 2005 ersetzen professionelle Tänzer und Tänzerinnen Mimi Minus. Ungelenk sind die Bewegungen auf der Leinwand immer noch, aber eben sehr professionell ungelenk. Diese neueren Werke, in Farbe und auf Video gedreht, haben nicht mehr den trashigen Charme ihrer früheren 16-Millimeter-Schwarzweißfilme, trotzdem haben sie sowohl ihren Humor als auch ihren Horror bewahrt. Was zu einem guten Teil an der virtuosen Arbeit Mattuschkas mit dem Ton liegt.

In „Burning Palace“ erinnern nicht nur das rot-samtene Interieur des Hotels an den Filmregisseur David Lynch, sondern auch die bedrohlichen Soundlandschaften. Wie in allen Filmen Mattuschkas werden die Stimmen nachsynchronisiert und oft mit irritierenden bis absurd-komischen Effekten belegt, als seien die Darsteller von mehr oder minder freundlichen Dämonen besessen.

Körper und Geist bleiben seltsam voneinander getrennt in Mattuschkas Werk. Dazu passte ein Satz, den sie bei einem Publikumsgespräch in Graz fast beiläufig fallen ließ: „Was ich mir am meisten wünsche, ist, Urlaub von mir selbst zu nehmen.“

Die Choregografie verschiebt Perspektiven, die filmische Transformation akzentuiert die Verschiebung

Brigitta Burger-Utzer über 3 Filme von Mara Mattuschka mit Chris Haring - Legal Errorist (2005), Running Sushi (2008) & Burning Palace (2009)

Link: http://www.perfomap.de/map8/intermediale-prozesse/die-choreografie-verschiebt-perspektiven-die-filmische-transformation-akzentuiert-die-verschiebung/die-choreografie-verschiebt-perspektiven#_ftnref2
Orig. Title
Burning Palace
Year
2009
Country
Austria
Duration
32 min
Category
experimental
Orig. Language
english
Credits
Director
Chris Haring, Mara Mattuschka
Script
Chris Haring, Mara Mattuschka
Cinematography
Josef Nermuth
Editing
Mara Mattuschka
Sound Design
Andreas Berger
Actor/Actress
Stephanie Cumming, Katharina Meves, Alexander Gottfarb, Luke Baio, Anna Maria Nowak
Choreography
Chris Haring
Supported by
Wien Kultur, Innovative Film Austria
Available Formats
35 mm (Distribution Copy)
Aspect Ratio
1:1,66
Sound Format
Dolby stereo
Frame Rate
25 fps
Color Format
colour
Betacam SP (Distribution Copy)
Aspect Ratio
16:9
Sound Format
stereo
Frame Rate
25 fps
Color Format
colour
Festivals (Selection)
2009
Graz - Diagonale, Festival des österreichischen Films
Marseille - FIDMarseille International Film Festival
New York MIX-NY, Queer Film Festival
Telluride - TIE International Experimental Film & Video Festival
Münster - Int. Filmfestival
London - BFI International Film Festival
Montréal - Festival du Nouveau Cinéma
Uppsala - Int. Short Film Festival
Dallas - Video Festival
Oberhausen - Int. Kurzfilmtage (Prize of the International Short Film Festival Oberhausen)
2010
Berlin - Transmediale (Festival for digital art)
Stuttgart - Filmwinter, Expanded Media Festival
Rotterdam - Int. Filmfestival
Paris - Hors Pistes Festival au Centre Pompidou
Wien - VIS Vienna Independent Shorts
Brive - Rencontres du Moyen Mètrage
Marfa - Marfa Film Festival
Wroclaw - New Horizons Festival
Lissabon - Queerlisboa Lesbian & Gay Festival
2011
Kaunas Int. Film Festival