Git Cut Noise

Ende der 1990er Jahre war die Zeit gekommen, etwas Neues hören zu wollen. Sowohl Rock als auch Techno erschien massentauglich, zombiefiziert und langweilig oder durch Virtuosität totgespielt. Reduktion oder Lärm gleichermaßen konnten nun in die Wohnzimmerclubs einziehen und den akademischen Raum verlassen. Mego (Label), Phonotaktik (Festival) und rhiz (Club) passierten in Wien und mitten drin eine junge Band, drei junge, gepflegt und gut aussehende Männer: Radian (Schlagzeug, Synthesizer, Gitarre, Bass, Kabelklinke). Der Journalist Fritz Ostermayer der legendären Radiosendung "Im Sumpf" war begeistert und ein Radiankonzert war ein Hochamt der Konzentration und trotzdem gespielte Leichtigkeit. Kein Rock, kein Jazz, keine digitale Musik. Das Chicagoer Label Thrill Jockey, gebucht auf so genannten Postrock, fand Gefallen und ist seither das Label der Band. Auf ihrem 2009 erschienen Album „chimeric“, ihrem fünften, zeigen Radian mit Git Cut Noise welche ästhetische und diskursive Entwicklung ihre Arbeit genommen hat und welches Potential in dieser Band, die sich teilweise sehr rar macht, um den einzelnen Protagonisten Raum für andere Projekte zu lassen, steckt. Lotte Schreiber, Künstlerin und Filmemacherin, greift den Faden auf und gestaltet zu Git Cut Noise einen Musicclip, der das einzufangen scheint, was ab 1996 in Wien „gebrannt“ hat. Verstörende, im Rhythmus aufflackernde geometrische, fast blendende Vierecke, dazu ein Rauschen der Band. Aber was ist das? Ist das eine Fußmaschine? Erst bei genauerem Hinsehen ist es das Riesenrad. Hier wird Rock auch noch in den Ursprungskontext des Films und der Sensation überführt, dem Paradies vieler Kinder – in den Wiener Prater. Es grüßt der große Gorilla von der Geisterbahn und der Sensenmann schaut schon auf diejenigen, die in schwindelerregender Höhe im Karussell durch die Luft sausen. Mit diesem Video gelingt es Schreiber, Momente und Bilder der Band einzufangen, wo alles zu stimmen scheint. Jedes Detail im Sound, jede Ruhe, jede Explosion scheinen präzise gesetzt ohne steril zu wirken. Es zerrt die Gitarre – Git, es macht kurz Pause – Cut, und es muss ausbrechen – Noise.
(Christina Nemec)

Orig. Titel
Git Cut Noise
Jahr
2011
Land
Österreich
Länge
6 min
Kategorie
Musikvideo
Orig. Sprache
kein Dialog
Downloads
Git Cut Noise (Bild)
Credits
Regie
Lotte Schreiber
Konzept & Realisation
Lotte Schreiber
Kamera
Norbert Pfaffenbichler, Lotte Schreiber
Musik
Radian
Verfügbare Formate
Digital File (prores, h264) (Distributionskopie)
Bildformat
16:9
Tonformat
Stereo
Bildfrequenz
25 fps
Farbformat
Farbe, s/w
Festivals (Auswahl)
2011
Graz - Diagonale, Festival des österreichischen Films
Montréal - Festival du Nouveau Cinéma
2012
Osnabrück - EMAF - European Media Art Festival
Dortmund / Köln - Internationales Frauenfilmfestival