Kopierwerk

Kopierwerk
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Kopierwerk

Das Kino ist eine Maschine. Kopierwerk zeugt davon, lässt sich von industriellen Rhythmen tragen, verhandelt dabei die Ära des Analogen, deren Ende auch neue Anfänge, kreative Abweichungen ermöglicht hat: Als von Profitdruck weitgehend befreite Komplementärbewegung zur digitalen Massenkultur vollzieht sich in den analogen Medien, vor unseren Augen, eine Art Nischenrevolution.
Der Prozess des Zeitungsdruckens wird zunächst in alten, silbrig glänzenden Schwarzweißbildern beleuchtet: die Vervielfältigung von Propaganda und Aufklärung aus dem Geist der Fabrikarbeit. Die spektakuläre Montage löst jene „Chockwirkung“ aus, die Walter Benjamin einst so enthusiastisch beschrieben hat. Aus gefundenen Materialien, aus Trailern, Werbespots und Spielfilmsplittern hat Stefanie Weberhofer, eine Vertreterin der jungen Wiener Filmlaborszene, Kopierwerk  kompiliert, als selbstreflexive 35mm-Arbeit angelegt. Schon der Druckerei-Prolog speist sich aus sehr verschiedenen Quellen, die Texturen verraten dies. Von der Fabrik geht es ins Freie der Hollywood-Fantasien: Meryl Streep, Warren Beatty und Jim Carrey hantieren mit Zeitungen und Projektionsapparaten; die irrlichternde analoge Fotografie gilt den Stars und der Aura des Moments, sie hält unterschiedslos fest, was sich gerade festhalten lässt.
Doch die Filmgeschichte ist eben nicht nur eine gloriose Verschwendung von Prominenz, sondern auch eine des Materials, eine Kultur der geheimen Bilder und Botschaften, die als gedruckte Inschriften und Handlungsanweisungen, als Countdowns, Codes und Zahlen in den Filmstreifen selbst zu finden sind. Das „brandgefährliche“ Kollektiverlebnis Kino kann Panik auslösen, sein Zerstörungswerk tun. Doch die Filmrollen drehen sich weiter. So mutiert Kopierwerk zum abstrakten Spiel mit der Physis des Kinos, zum Tanz der Buchstaben und der Grauschleier der Kopiergenerationen. Drei Jahre lang hat Weberhofer, in streng manueller Produktion, an ihrem Werk gearbeitet, das vom radikalen Umbau der Filmindustrie erzählt und vom (digital multiplizierten) Nachleben der analogen Filmbilder in der Avantgarde. (Stefan Grissemann)

Orig. Titel
Kopierwerk
Jahr
2020
Land
Österreich
Länge
7 min
Kategorie
Experimental
Orig. Sprache
Kein Dialog
Downloads
Credits
Regie
Stefanie Weberhofer
Konzept & Realisation
Stefanie Weberhofer
Musik
Marko Sulz
Sound Design
Marko Sulz
Verfügbare Formate
DCP 2K (Distributionskopie)
Bildformat
1:1,37 (Normal)
Tonformat
5.1 surround
Bildfrequenz
24 fps
Farbformat
s/w
35 mm (Distributionskopie)
Bildformat
1:1,37 (Normal)
Tonformat
Stereo
Bildfrequenz
24 fps
Farbformat
s/w
Festivals (Auswahl)
2020
Wien - VIS Vienna Shorts
Seoul - EXis (Experimental Film- & Videofestival)
Edinburgh - International Film Festival
Graz - Diagonale, Festival des österreichischen Films
Ann Arbor - Film Festival