Blutsbrüderschaft
Dietmar Schwärzler: Es gibt sowohl einen Film als auch eine Gouache mit dem Titel Blutsbrüderschaft, die sich in der Ausdrucksform sehr unterscheiden. Was war der Impuls für diese Arbeiten? Blutsbrüderschaft ist (oder war) ja traditionell ein Ritual zwischen Männern …
Friedl Kubelka / vom Gröller: Hans Neuffer und ich waren so verliebt ineinander, dass ich mir gedacht habe, das ist angemessen. Es war seine Idee. Blutsbrüderschaft ist etwas wie in der Bürgschaft, denke ich jetzt gerade: „Und er kommt zum Freunde: ‚Der König gebeut, / Daß ich am Kreuz mit dem Leben / Bezahle das frevelnde Streben; / Doch will er mir gönnen drei Tage Zeit, / Bis ich die Schwester dem Gatten gefreit; / So bleib’ du dem König zum Pfande, / Bis ich komme, zu lösen die Bande.‘ Und schweigend umarmt ihn der treue Freund / Und liefert sich aus dem Tyrannen.“ Diese Art von heroischer Freundschaft ist lebendig gewesen, wahrscheinlich in beiden von uns. Wie ein Schwur, dass wir füreinander einstehen, ohne dass es verbal ausgedrückt wurde. Vielleicht war es auch einfach ein Relikt vom Zweiten Weltkrieg …
Stefanie Reisinger: Aber es ist nicht beim Schwur geblieben; die Blutsbrüderschaft ist festgehalten. Einerseits im Film, wo doch, sehr inszeniert, die Hände in die Höhe gehalten werden und das Blut in den Handflächen geronnen ist.
Aus: Let´s Misbehave! Sometimes Rules Are Made to Never Be Learned. Conversation between Friedl Kubelka / vom Gröller, Stefanie Reisinger, Dietmar Schwärzler. In: Friedl Kubelka / vom Gröller. Nicht daheim und doch zu Hause. Ausstellungskatalog Belvedere 21, Verlag Buchhandlung Walther und Franz König, 2026.
Blutsbrüderschaft
1070
Österreich
2 min