Lösung der Phantasie
Nach der Beschäftigung mit den Körperorganen Nase, Finger, Auge, Mund, Gesicht, Beine machte ich eine Arbeit mit Haaren, die ja bekanntlich an den Körper angrenzen, also die Sprachfigur der Metonymie erfüllen. Solange die Haare am Körper sind, werden sie positiv bewertet. Das Frauenhaar ist ein Ideal der Poesie und der Werbung. Eine Haarflocke ist ein beliebtes aide mémoire und ein konservierungswürdiges Partialobjekt. Sind allerdings die Haare vom Körper getrennt, liegen sie abgeschnitten am Boden oder finden sich sprichwörtlich in einer Suppe, dann ist das Haar eher etwas Verwerfliches, etwas Befremdliches, vielleicht, weil das Haar, vom Körper getrennt, totes Material ist. Die Verwandlung des Haares von positiv zu negativ, von eigen zu fremd, von wohlig zu abstoßend schien mir exemplarisch für die Position des Körpers in unserer Kultur.
Lösung der Phantasie
1972
Österreich
2 min