Marc Adrian

Marc Adrian

1948-54 Bildhauer-Ausbildung an der Wiener Akademie der bildenden Künste bei Fritz Wotruba. 1948 erste plastische Arbeiten, seit 1949 Ausstellungen, von 1952-54 Studienreisen nach Mailand und Paris (Académie de la grande Chaumière, Prof. Ossip Zadkine). Von 1957-58 Gastschüler der Pariser Filmhochschule IDHEC. Beschäftigt sich seit 1953 mit Film, seit 1954 mit Kinetik, Rhythmus-Interferenzen und optischen Strukturproblemen, seit 1960 mit Infra- und Metastrukturen. Ab 1965 Studium der Wahrnehmungspsychologie an der Wiener Universität. Von 1970-73 Professur für Malerei und ästhetische Theorie an der Hochschule für bildende Künste Hamburg, zahlreiche Vortragsreisen zu amerikanischen Universitäten, von 1980-81 Mitarbeiter am Center for Advanced Visual Studies des Massachusetts Institute of Technology (MIT), Cambridge/USA. Von 1988-89 Hospizordinarius für visuelle Kommunikation an der hessischen Universität und der Gesamthochschule Kassel. Mitglied der Wiener Secession, der Grazer Autorenversammlung und der Austria Filmmakers Cooperative.

 

Weitere Texte

Bert Rebhandl über Marc Adrian

Bei Marc Adrian hat der Zufall Methode: "die sinnlich wahrnehmbaren signalträger stehen in jedem einzelnen kunstwerk eines künstlers untereinander in einer festen beziehung", deklarierte er 1957 in seiner "theorie des methodischen inventionismus". In den frühen Filmen gestaltete Adrian diese Beziehung der "Signalträger" nach musikalischen Mustern: In Black Movie II, wo monochrome Farbkader in rhythmischer Montage aufeinanderfolgen; die frühere Version zusammen mit Kurt Kren hatte als Filmmaterial überhaupt einfach bunte Vorlauffilmstreifen genommen. In 1. Mai 1958 wandte Adrian vorher festgelegte kompositorische Muster auf eine Reihe von schwarzweißen Aufnahmen an, die von einem Ausflug in den Prater berichten (Kurt Kren hatte sich eine Kamera gekauft, man sieht dem Film den Enthusiasmus für das neue Instrument an).

Die Filme Wo-davor-bei und Schriftfilm variieren diese Verfahrensweisen, indem sie Sprachmusik abbilden. In einer Art verfilmter "konkreter Poesie" ist immer noch der Autor anwesend, der den Ort der Wörter im Kader und deren Abfolge festlegt.
Der Regen, der auf einem Theaterstück Adrians aus den 50ern basiert, zusammen mit Kurt Kren begonnen und erst 1983 ohne ihn fertiggestellt wurde, spielt schon auf der rein textuellen Ebene mit den Elementen der frühen Filme: Die Modalverben und Infinitive, die ein Chor spricht, verweisen auf filmische Aggregatzustände ebenso wie auf zyklische, ineinander verschobene Abläufe, die zum Ton ein Eigenleben entwickeln und nur gelegentlich Momente der Identität andeuten. Sehr heterogenes Material zu ausgesprochen suggestiver Sprache: "ich bin der regen/wie lange wissen/weswegen sein".

(Bert Rebhandl, Stadtkinoprogramm Nr. 268, 1995)

Downloads
Portrait (Bild)