der wackelatlas- sammeln und jagen mit H. C. Artmann

Wer den Schriftsteller nicht beim Wort nimmt, wird ihm nicht nahekommen. der wackelatlas, ein letztes Porträt des großen H.C. Artmann, zeugt von diesem Wissen: Das Sprachliche prägt alles hier, vom Einstieg bis zum Epilog, es gibt der Erzählung ihren Puls und ihre Linien. H.C. Artmann in seiner Wohnung in Wien, im Herbst 2000 – heiser schon, ein wenig zitternd, aber bei intaktem Witz und in guter Gesprächslaune: Das Blau seiner Augen strahlt, und er erzählt von der Erinnerung, vom Geruch und der Musik.
Die jähen Bewegungen, die dieser Film wagt, sind allesamt gedanklich, sprachlich. Die Ruhe seines Blicks kann sich der Film daher leisten.

Der Artmann-Film ist, obwohl Tochter Emily und Nichte Katharina ihn inszeniert haben, nur zum Teil ein Familienbild und alles andere als ein home movie.
Die Intimität der Situation ist spürbar, die Annäherung liebevoll – aber es geht nicht "um den Menschen hinter der Kunst", sondern entschieden um die Kunst und wie sich der Mensch in ihr bewegt. der wackelatlas ist eine überaus kontrollierte Arbeit, sparsam in ihren Mitteln, konzentriert auf ihr Zentrum. "Ich möcht´ ja kein Abbild des Lebens geben", stellt Artmann klar - und: In seinen Gedichten soll "keine Moral dazwischen" sein. Der Film vollzieht das nach, begreift sich selbst als künstlich und hält sich mit dem Pathos der Moral gar nicht erst auf.

Der drängenden Sinnlichkeit der Sprache Artmanns, die im zwanglosen Gespräch ebenso manifest wird wie im Textbild, halten die Filmemacherinnen wieder das Wort entgegen.
In neun Kapiteln, mit jeweils drei Begriffen betitelt, erzählen sie (verdichtend, dichterisch) von einem, der das verdichtete Erzählen so weit getrieben hat. Hans Carl Artmann: beim Wort genommen. (Stefan Grissemann)

Orig. Titel
der wackelatlas- sammeln und jagen mit H. C. Artmann
Jahr
2001
Land
Österreich
Länge
58 min
Kategorie
Dokumentarfilm
Orig. Sprache
Deutsch
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Credits
Regie
Emily Artmann, Katharina Copony
Musik
8 oder 9, Curd Duca
Schnitt
Krista Fleischmann, Niki Mossböck, Emily Artmann, Katharina Copony
Produktion
ORF, Kurt Mayer Film
ProduzentIn
Kurt Mayer
Produktionsleitung
Nike Glaser-Wieninger
Mit Unterstützung von
BKA. Kunst, Filmfond Wiener, Land Salzburg, Niederösterreich Kultur
Verfügbare Formate
Betacam SP PAL (Distributionskopie)
Bildformat
16:9
Tonformat
Stereo
Bildfrequenz
25 fps
Festivals (Auswahl)
2001
Viennale - Vienna Int. Film Festival
2002
Graz - Diagonale, Festival des Österreichischen Films
Duisburger - Filmwoche