Whatever Happened to Gelitin

Whatever Happened to Gelitin
Whatever Happened to Gelitin

Der Künstler Liam Gillick hat sie nicht gesehen. Auch Regisseur John Waters weiß nicht, wo sie geblieben sind. Der Filmemacher Tony Conrad hat zwar so seine Theorien, verrät diese aber nicht. Verschwunden sind nämlich die vier Mitglieder der österreichischen Künstlergruppe Gelitin (Wolfgang Gantner, Ali Janka, Florian Reither, Tobias Urban). Salvatore Viviano, Künstler, Galerist und zeitweilig Mitwirkender in Gelitin-Performances, begibt sich auf die Suche nach der lustigsten Boy Group der Welt, befragt Künstler, Galeristen, Museumsleute, stets ein imposantes Mikrofon in der Hand, nach ihrem Verbleib. Die (fiktive) Recherche bildet das narrative Gerüst in diesem Film von Angela Christlieb, der das anarchische Treiben Gelitins im Parforceritt durchquert. Das Quartett wurde bekannt mit ebenso grenzgängerischen wie bildstarken Performances, Skulpturen, Installationen und Fotoarbeiten. Da wälzt man sich lustvoll im Matsch, lädt das Publikum zur Kunstzerstörung ein, inszeniert Modefotografie, bei der Stofftiere an Hoden befestigt werden, lässt nackt, mit Quasten auf den Pobacken, die Hüften kreisen oder diskutiert darüber, welche Ausscheidung des "Kackabets" – Buchstaben aus Kot – nun von welchem der vier stammt. "Unsere Welt versucht, die Dinge zu rationalisieren", analysiert der Galerist Christian Meyer an einer Stelle, "von Gelitin wird dieser Ansatz bewusst verweigert."
Christliebs Arbeit lebt nicht nur vom dicht montierten Archivmaterial, das durch die musikalische Ebene rhythmisiert und intensiviert wird, sondern auch von den Erzählungen und Beobachtungen der Interviewpartner. Wenn etwa der Galerist Leo Koenig meint, dass er angesichts Gelitins Kunst bisweilen Lust bekomme, sich zu entkleiden oder der Künstler Tom Sachs gesteht: "Ich wünschte, mein Leben wäre 10 Prozent mehr Gelitin!" Ein Verlangen, das nach dem Sehen dieses Films wohl viele teilen.
(Nina Schedlmayer)

Orig. Titel
Whatever Happened to Gelitin
Jahr
2016
Land
Austria
Länge
82 min
Kategorie
Dokumentarfilm
Orig. Sprache
Englisch, Deutsch, Französisch, Italienisch
Credits
Regie
Angela Christlieb
Musik
XTMPLX, Japanther, Philipp Quehenberger, Maehl Schuyler, Psychic TV, Tankris, Blueblut, Trafo
Schnitt
Angela Christlieb
Sound Design
Chris Janka
Produktion
Angela Christlieb
Mitwirkende/r
Agnes Husslein-Arco, Tom Sachs, Liam Gillick, Christian Meyer, Salvatore Viviano, John Waters
Mit Unterstützung von
Wien Kultur, Land Niederösterreich
Verfügbare Formate
Digital File (prores, h264) (Distributionskopie)
Bildformat
16:9
Tonformat
Stereo
Bildfrequenz
25 fps
Farbformat
Farbe
DCP 2K
Bildformat
16:9
Tonformat
Stereo
Bildfrequenz
25 fps
Farbformat
Farbe, s/w
Festivals (Auswahl)
2016
Graz - Diagonale, Festival des österreichischen Films
Hof - Internationale Filmtage
Kassel - Dokumentarfilm- & Videofest
Cork - IndieCork Film Festival
Espoo Cine Festival
2017
Hong Kong - Int. Film Festival
Chicago Underground Film Festival
Taipei - Urban Nomad Festival
Lausanne LUFF Underground Film Festival
2018
Köln - Stranger Than Fiction Dokumentarfilmfestival
Innsbruck - Diametrale Filmfestival