R.I.P. Dóra Maurer (1937-2026)
Uns hat die sehr traurige Nachricht erreicht, dass Dóra Maurer im 89. Lebensjahr verstorben ist. Dóra Maurer, die eine ungarisch-österreichische Doppelstaatsbürgerschaft besaß, zählt zu den prägenden Personen in der internationalen Kunstwelt. Seit den späten 1960er Jahren spielte sie eine aktive Rolle beim Aufbau des internationalen Netzwerks der ungarischen Neo-Avantgarde. Neben ihrer Tätigkeit als Ausstellungsorganisatorin ist auch ihr Engagement in der Kunstpädagogik bemerkenswert. Ihr über sechs Jahrzehnte umfassendes Œuvre ist hinsichtlich der unterschiedlichen Medienformate besonders vielfältig, reicht von Filmen, Fotografien, Druckgrafiken bis zur Malerei, auf die sie ihren Schwerpunkt legte. Dóra Maurer haben wir als absolut integere, sehr aufgeschlossene, warmherzige und auch neugierige Person kennen gelernt – sie wird uns und der Kunst- & Kulturwelt sehr fehlen.
„Dóra Maurer hat einmal gesagt, das zentrale Thema ihrer Arbeit sei „Bewegung bzw. die konzeptuelle und faktische Auswirkung von Verschiebungen“ (1). Bewegung und Verschiebung, so belegt es ihr umfangreiches Oeuvre seit Ende der 1960er-Jahre, sind dabei stets auf Systemhaftigkeit und Strukturalität bezogen. Das Ausgehen von einer bestimmten, zuvor festgelegten Systematik und das anschließende Feststellen von unvorhergesehenen Abweichungen und Brüchen – dieses Doppel charakterisiert den Prozess, den Maurer auf vielfältige Weise von ihren frühen grafischen Arbeiten über die von ihr so bezeichneten Verschiebungen bis hin zu den aus der Raummalerei entwickelten „Quasi-Bildern“ der 1980er- und 90er-Jahre realisiert hat. In die Auseinandersetzung mit Struktur und der ihr innewohnenden Variabilität passen auch Maurers Filmarbeiten, die sie seit 1973 in loser Abfolge produziert hat. Anfangs noch ganz dem Konzept der Wiederholbarkeit bzw. Messbarkeit von Bewegung verpflichtet, gehen die Filme in Folge immer mehr in Richtung einer konzeptuellen Bildbefragung, wobei diese eng an Momente der Körper-, Bewegungs- und Raumfragmentierung geknüpft ist. Die „Systeme“, die dabei zum Einsatz kommen, reichen von scheinbar simplen Alltagshandlungen (etwa dem Lesen eines Buches) bis hin zu hochgradig abstrakten Bildfolgen (zum Beispiel dem ausschließlichen Einsatz monochromer Farbflächen). Diese Bandbreite deutet bereits darauf hin, dass Maurers methodisches Vorgehen durchaus universell angelegt ist, wiewohl sie dies nie explizit auf Formen politischer oder sozialer Systemhaftigkeit umlegt. Und doch geht es implizit – und damit vielleicht unbewusst auf umso dringlichere Weise – um Möglichkeiten des „Austritts aus dem System“, wie die Kunsthistorikerin Judit Király festgehalten hat.[2]“ (Christian Höller, „Verschiebungseffekte,“ Index-Edition 046, Dóra Maurer, Thinking in Proportions)
(1) DÓRA MAURER, EXTRACT FROM LECTURE AT THE HUNGARIAN UNIVERSITY OF FINE ARTS, CONFERENCE ABOUT CONCEPTUALISM IN CENTER EUROPEAN COUNTRIES [SIC], IN: DORA MAURER - TRACES 1970–1980. AUSSTELLUNGSKATALOG BUNKIER SZTRUKI, KRAKAU,2011, S. 19.
(2) VGL. JUDIT KIRÁLY, MATHEMATISCHE BEZÜGE IN DER KUNST VON DÓRA MAURER, IN: MAURER DÓRA. AUSSTELLUNGSKATALOG LUDWIGMUSEUM - MUSEUM OF CONTEMPORARY ART, BUDAPEST, 2008, S. 46.
sixpackfilm @ Berlinale 2026
Wir freuen uns sehr, die Premieren exzellenter neuer Filme von Siegfried A. Fruhauf, FLIM FLAM, Varia Garib & Kirill Komar, Yuragim innerhalb des Berlinale Shorts Wetbewerbs und Belinda Kazeem-Kamiński, Nursery Rhymes. (Holy) Water sowie Johann Lurf, Forever... Forever (in glorreichen 70 mm!) als Teil des diesjährigen Forum Expanded Programmes ankündigen zu dürfen.
Berlinale 2026
Festivalpreise für YARÊ, THE END, Challenges of a solitary mind & Sugarland
Wir freuen uns sehr über die jüngsten Auszeichnungen für Arbeiten aus unserem Festivalvertrieb:
YARÊ von Sallar Othman erhielt vergangene Woche bei der 22. Ausgabe des Dorico International Film Fest in Ancona den Amnesty International Award im internationalen Wettbewerb Short on Rights.
Beim Best Austrian Animation Film Festival in Wien wurde THE END von Claudia Larcher als „Beste experimentelle Animation“ gewürdigt. Challenges of a solitary mind von Astrid Rothaug gewann einen der Publikumspreise für unabhängige Arbeiten – und dieser Film wurde außerdem bei den Flensburger Kurzfilmtagen mit dem Blickwechsel-Preis prämiert und erhielt eine Lobende Erwähnung/ Diploma from Maya Yonesho beim T-Short Filmfestival in Karlsruhe.
Und wie bereits vermeldet, durfte sich Isabella Brunäcker über den Spezialpreis der Fipresci-Jury für Sugarland beim 63. Internationalen Filmfestival von Gijon in Spanien freuen.
Wir gratulieren sehr herzlich!
Still: YARÊ (c) Soran Salih
Award Season: Preise für "Bürglkopf", "Bleifrei 95" und "Blind Date 4.0"
Lisa Polsters Dokumentarfilm Bürglkopf hat beim 29th Ji.hlava International Documentary Film Festival im Wettbewerb OPUS BONUM die Auszeichnung als Best Central and East European Documentary Film erhalten. Die Jury schreibt: "With a new acute crisis springing up every day to consume all our attention and compassion, it can be easy to forget about the longer, more drawn-out traumas and tragedies that are often ongoing right in our own back yards. For a stirring, intelligent, beautifully shot act of empathy towards a community of refugees enduring what is essentially psychological torture by isolation on an Austrian mountaintop while tourists ski nearby, the Award for Best Central and East European Documentary Film goes to Bürglkopf, directed by Lisa Polster." (Ognjen Glavonić, Jessica Kiang, Dominic Lees, Tekla Machavariani, Jana Ševčíková)
Der Film, der derzeit in österreichischen Kinos und bei weiteren Festivals international zu sehen ist, erhielt außerdem den DOCRACY Award bei DOXS RUHR. Die Jury aus Jugendlichen und jungen Erwachsenen zeichnete Bürglkopf aus, weil er eindrucksvoll dokumentiert, „wie Isolation, fehlende Rechte und bewusste gesellschaftliche Ausgrenzung zu Hoffnungslosigkeit, psychischen Belastungen und Ausbeutung führen“. Mit präziser Recherche und zurückhaltender Bildsprache mache der Film
Missstände sichtbar, die sonst im Verborgenen bleiben. Die Jury hebt besonders hervor, dass Bürglkopf einen wichtigen Beitrag zur öffentlichen Auseinandersetzung mit menschenrechtlichen Fragen und sozialer Verantwortung leistet.
Weiters dürfen wir vermelden, dass Bleifrei 95 von Emma Hütt und Tina Muffler beim vierten Cherry Pop Film Festival in Zagreb der Sweet Cherry Award zuerkannt wurde: "A film of sprawling aspirations, pure sex and youthful energy. Visually explosive, narratively daring — a wild, wild ride with complex characters and relentless momentum. The queerest of them all."
Eine Lobende Erwähnung ging an Jan Soldat für Blind Date 4.0: “There have been many dates shown on film — none so subversively close to reality. A delightful documentary that provokes with its earnestness, proving that bold filmmaking can still respect the dignity of its protagonists.”
Wir gratulieren den Preisträger:innen ganz herzlich!
Viennale 2025: Erste Bank Filmpreis für "Rojo Žalia Blau" an Viktoria Schmid
Wir freuen uns außerdordentlich, dass der Erste Bank Filmpreis, der zum 15. Mal im Rahmen einer Viennale verliehen wurde, in diesem Jahr ex-aequo an Viktoria Schmid für Rojo Žalia Blau geht. wir zitieren aus der Begründung der Jury: "Rojo Žalia Blau ist eine Landschaftsstudie, die in den Wäldern und an den Küsten Spaniens, Litauens und Niederösterreichs gedreht wurde und bei der eine einfache, aber evokative Technik zum Einsatz kam. (...) Die Technik des Films ist weitaus mehr als ein formales Experiment: Sie wird im Grunde zu einer Art und Weise, Zeit zu fotografieren, wobei drei verschiedene Temporalitäten in einem einzigen (berauschenden) Bild übereinandergeschichtet und nur durch die Bewegung von Wind, Wellen, Sonne und Schatten sichtbar gemacht werden." (Silvia Bohrn, Nicolas Mahler, Boris Manner, Jed Rapfogel).
Wir gratulieren allen Preisträger*innen herzlich.
Foto: Viennale/ Alexi Pelekanos
Diagonale 2026 mit Werkschau für Billy Roisz und Trailer von Michael Gülzow
Wir freuen uns mitzuteilen, dass die Diagonale. Festival des österreichischen Films bei ihrer kommenden Ausgabe (18. bis 23. März 2026) der Filmemacherin, Musikerin und Performerin Billy Roisz eine "Position" widmen wird. Der Künstler Michael Gülzow, dessen Mockumentary Der tote Winkel der Wahrnehmung dieses Jahr den Diagonale Preis in der Kategorie Innovativer Film erhielt, wird den Festivaltrailer gestalten.
Billy Roisz © Diagonale/ Lisbeth Kovačič
"Bürglkopf" im Opus Bonum Wettbewerb des Jihlava IDFF
Lisa Polsters preisgekrönter Dokumentarfilm Bürglkopf läuft beim 29. Ji.hlava International Documentary Film Festival im Hauptwettbewerb "Opus Bonum". Das renommierte Festival, das von 24. Oktober bis 2.November 2025 stattfindet, zeigt außerdem Arbeiten von Josephine Ahnelt, Kurt Kren, Peter Kubelka, Viktoria Schmid und Ernst Schmidt jr. im Sonderprogramm "Fascinations: Food" sowie Billy Roisz' jüngsten Festivalhit The Garden of Electric Delights. Wir freuen uns sehr über diese breit gefächerte Auswahl!
Filmstill: Bürglkopf
Punk, Glitch, Traces: Austrian Experimental Cinema beim Her Docs Film Festival
Wir freuen uns sehr, für folgendes Special im Rahmen von Her Docs Film Festival in Warschau mit verantwortlich zu sein:
Punk, Glitch, Traces: Austrian Experimental Cinema versammelt in vier Programmen Kurzfilme aus sechs Jahrzehnten sowie den abendfüllenden Canale Grande von Friederike Pezold (Pezoldo) aus 1983. Der Bogen reicht vom analogen Experimentalfilm bis zu abstrakten digitalen Audiovisionen, umfasst Filme von nunmehrigen feminist icons genauso wie von Regisseurinnen* jüngerer Generationen. Die Beiträge umfassen anarchische Performances, dokumentarische Skizzen und queer gems bis hin zu Animationen oder Found-Footage.
Filme/ Videos von: Kurdwin Ayub, Miriam Bajtala, Moucle Blackout, Adina Camhy, Linda Christanell, Katrina Daschner, Carola Dertnig, VALIE EXPORT, Eve Heller, Karø Goldt, Michaela Grill, Friedl vom Gröller, Belinda Kazeem-Kamiński, Claudia Larcher, Maria Lassnig, Sabine Marte, Mara Mattuschka, Lydia Nsiah, Astrid Ofner, Christiana Perschon, Friederike Pezold (Pezoldo), Sasha Pirker & Lotte Schreiber, Lisl Ponger, Ursula Pürrer & Ashley Hans Scheirl, Ella Raidel, Michaela Schwentner, Anna Spanlang & KLITCLIQUE, Nana Swiczinsky, Kathrin Resetarits, Billy Roisz, Anna Vasof.
Her Docs, das Festival für feminist non-fiction film, findet von 17.-21.September 2025 in der Kinoteka in Warschau statt.
filmstill: Canale Grande (Pezoldo)
31. SarajevoFF Dokumentarfilmpreis an "Unsere Zeit wird kommen"
Ivette Löckers jüngste dokumentarische Arbeit Unsere Zeit wird kommen wurde beim 31. Sarajevo Film Festival soeben mit dem Preis für den besten Dokumentarfilm ausgezeichnet: "Der 'Heart of Sarajevo'-Preis für den besten Dokumentarfilm geht an einen Film, der die Schönheit und die Herausforderungen, die das Herstellen von Zusammenleben mit sich bringt, mit der Großzügigkeit und Strenge eines Filmemachens verbindet, das in der Intimität des gelebten Lebens stattfindet. Es ist ein Film, der einen filmischen Raum und eine filmische Zeit für die Komplexität der Liebe und die Politik des Zusammenlebens schafft und dabei den Reichtum wertschätzt, den jeder Mensch in unsere gemeinsamen Räume einbringen kann." (Jurybegründung)
Jury:
Blake Levin
Cíntia Gil
Veton Nurkollari
Wir gratulieren Ivette und dem gesamten Filmteam sehr herzlich!
Outstanding Artist Award Experimentalfilm 2025 an Sasha Pirker
Der vom BMWKMS vergebene Outstanding Artist Award geht in der Kategorie Experimentalfilm dieses Jahr an Sasha Pirker. Wir zitieren aus der Jurybegründung: "Seit über zwei Jahrzehnten bewegt sich Sasha Pirker an den Schnittstellen von (feministischer) Film-, Kunst- und Architekturgeschichte. Hohe formale Konzentration und konzeptuelle Klarheit sind wesentliche Merkmale ihres Schaffens. Die Künstlerin verknüpft feministische Perspektiven mit feiner Ironie und verhandelt Räume, deren gesellschaftliche Strukturen klug und vielschichtig reflektiert werden. Humor fungiert dabei als präzises Mittel der Irritation. Architektur ist für Pirker zudem nicht nur Gegenstand, sondern Trägerin von Geschichten, Haltungen und Atmosphären – lesbar als Spiegel und Rahmen menschlicher Erfahrung, die sie in ihren Filmen subtil mit einem feinsinnigen Gespür für Tempo, Rhythmus und visuelle Komposition zusammenbringt."
Wir gratulieren Sasha sehr herzlich - und empfehlen, auf internationalen Festivals diesen Sommer/ Herbst nach ihrer jüngsten Arbeit Everyone deserves a Slice of the Pie Ausschau zu halten.