Griselda und Natalia

Teile eines Bootes sind erkennbar, Passanten laufen durch das Bild – die Kamera bleibt unbemerkt. Zwei Frauen sitzen auf weißen Bänken in der Nachmittagssonne, ihre Köpfe sind einander zugewandt, eine spiegelt die Körperhaltung der anderen. Griselda Armstrong und Natalia Adam sind die Protagonistinnen dieses Films, die wohl eine Generation trennt. Die Ältere führt uns langsamen Schrittes in ihre privaten Räume, wo das chaotisch-anrührende Arrangement einer Tassensammlung oder ein Stillleben aus Einweckgläsern, Sitzgelegenheiten, blumigen Mustern und Papieren die Friedl vom Gröller auszeichnende filmische Porträtaufnahme ergänzen. Doch auch die Individulität des Lebensraumes macht über Vorlieben und Gewohnheiten hinaus Persönlichkeit nicht greifbar. Ein vermutlich in diesem Setting abgefilmtes Buchcover bildet den Vorspann des Schwarz-Weiß-Films: „The six month kingdom – Albania 1914“. Ob der Verfasser Duncan Heaton-Armstrong, irischer Kapitän im 1. Weltkrieg, in einem Verwandtschaftsverhältnis zu den Protagonistinen steht, kann angesichts der Namensüberschneidung nur spekuliert werden. Umsomehr verdeutlicht ein abschließendes Doppelporträt die verwandtschaftliche Beziehung der beiden Frauen: Vergleichbar einem Passbildautomaten fängt die Kamera ihre Gesichtszüge ausschnitthaft ein, wir erahnen eine leise Kommunikation. Im Abspann der Brückenschlag in die heutige Zeit: „Cameron breaks from holiday for emercency Ukraine Talks“ – eine Schlagzeile des Londoner Standard von 2014. Das so gerahmte Doppelporträt rührt uns nicht nur aufgrund der vermeintlichen Authentizität wie Fragilität der Protagonistinnen. Der Film verdeutlicht mittels des Vor-und Nachspanns und dem Spannungsverhältnis von öffentlichem und privatem Raum auch die Einschreibung von medial festgehaltner Historie in Einzelschicksale.

(Sarah Alberti)


Griselda und Natalia ist ein Portrait von Mutter und Tochter. In England exzentrisch lebend, beziehen sich beide eindrucksvoll auf die Vergangenheit ihrer Familie. In dem Portrait, durch Vorspann und Nachspann eingeklammert, soll der Zusammenhang zwischen Vergangenheit und Gegenwart (in unser aller Leben) hergestellt werden.

(Friedl vom Gröller)

Orig. Titel
Griselda und Natalia
Jahr
2014
Land
Österreich
Länge
3 min
Kategorie
Avantgarde/Kunst
Orig. Sprache
Kein Dialog
Downloads
Credits
Regie
Friedl vom Gröller
Konzept & Realisation
Friedl vom Gröller
Darsteller*in
Natalia Adam, Griselda Armstrong
Mit Unterstützung von
Innovative Film Austria
Verfügbare Formate
16 mm (Distributionskopie)
Bildformat
1:1,33
Tonformat
Stumm
Bildfrequenz
24 fps
Farbformat
s/w
Festivals (Auswahl)
2015
Graz - Diagonale, Festival des österreichischen Films