Daïchi Saïto Karl Lemieux

So 8. Mai 2011 20:30 - Di 10. Mai 2011 20:30
Österreichisches Filmmuseum
Daïchi Saïto Karl Lemieux
In Person Daïchi Saïto & Karl Lemieux Live Cinema with David Bryant, Kevin Doria, Jonathan Parent Sonntag 8. bis Dienstag 10. Mai 2011 im Österreichischen Filmmuseum und im Echoraum In den letzten Jahren hat das junge kanadische Experimentalfilmschaffen international vermehrt für Aufmerksamkeit gesorgt. Epizentrum dieser neuen Entwicklung ist Montréal, wo sich im Jahr 2004 zwölf Filmschaffende zum Double Negative Collective zusammengeschlossen haben. Das gemeinsame Ziel eine radikal persönliche Filmsprache zu finden, die sich dem Experiment mit dem filmischen Material als formalem Mittel bedient, vereint die KünstlerInnen des Kollektivs. Die Rolle des Filmemachers wird ähnlich jener des Alchemisten verstanden, der auch Zufälle, Unfälle und Fehler als produktive Kraft nutzbar macht. Das Mysterium der Verwandlung der realen Welt durch den filmischen Prozess wird gefeiert und Werke voller geheimnisvoller, poetischer Bilder sind das Ergebnis. Als Eröffnung des Festivals What’s Up Vienna! What’s Up Montréal! präsentieren die zwei zentralen Filmschaffenden des Kollektivs Daïchi Saïto und Karl Lemieux erstmalig in Österreich Ihre Arbeiten. Der gebürtige Japaner Daïchi Saïto setzt sich in seinen filmischen Arbeiten mit der Wahrnehmung von Natur und dem menschlichen Körper auseinander. In seinen Bewegungs- und Sehstudien entstehen durch radikale Abbildungs- und Schnitttechniken und den langwierigen Prozess der Entwicklung des Zelluloids per Hand in der eigenen Badewanne ein eigenständiger – nahezu physischer – Filmkörper von fragiler Poesie. Karl Lemieux hingegen bearbeitet das filmische Material mit unterschiedlichsten Chemikalien, Farben und Rasierklingen. Von Westernhelden bis hin zur Pfanzenwelt des Amazonas wird das Bild in seine molekularen Bestandteile zerlegt und versteckte Qualitäten des ursprünglichen Abbildes werden sichtbar gemacht. Die dadurch erzeugten filmischen Landschaften sind lichtdurchflutete Orte voller unheimlicher Schönheit. Im Anschluss an das Filmprogramm verwandelt sich das Filmmuseum in einen Raum verstörend schöner Bild- und Klangwelten, die Karl Lemieux gemeinsam mit den Musikern David Bryant (Godspeed You! Black Emperor), Kevin Doria (Growing) und Jonathan Parent (Fly Pan Am) live improvisieren mechanisch und chemisch zersetzt. Gemeinsam mit der melancholischfragilen Musik aus Gitarren und Elektronik erzeugen sie eine beunruhigend-schwebende Atmosphäre, die Augen, Ohren und Herzen öffnet. Michaela Grill